Siddinghausen-Online 
Johanneseiche im Ringelsteiner - Wald
Autor: Rudolf Klenke
In unserer Gegend gab und gibt es zahlreiche Bräuche und Sitten, deren Vorgeschichte mitunter mehrere Jahrhunderte umfasst. Manche dieser alten Gepflogenheiten sind jedoch in den letzten Jahrzehnten nach und nach aufgegeben worden, wodurch auch ihre Ursprünge vielfach in Vergessenheit zu geraten drohen. Wir haben deshalb versucht, altes Brauchtum und die damit verbundenen Orte, soweit dieses aus mündlichen und schriftlichen Berichten noch zugänglich ist, zusammenzutragen.

Eine dieser Stätten befindet sich auch hier, bei der sogenannten Johanneseiche. Zu diesem vierhundertjährigen Baum führte seit undenklichen Zeiten eine Prozession, die von der Pfarrkirche in Siddinghausen ausging und dort auch wieder endete. Bereits in einem um 1650 von Konrad Schorlemer (1644 -1680 Pastor des Pfarrsprengels Siddinghausen) angelegten Verzeichnis, findet diese Prozession Erwähnung. Schorlemer schreibt darin, daß die Pfarr-gemeinde alljährlich am Fest des Hl. Johannes des Täufers (Schutzpatron der Siddinghäuser Pfarrkirche) mit dem Allerheiligsten zu einem Platz beim Ringelsteiner Wald ziehe, auf dem ein Holzkreuz stehe und der im Volksmund Johanneseiche heiße - schon damals also war die Ortsbezeichnung gebräuchlich.

Wir können aber davon ausgehen, daß die Wurzeln dieser Prozession noch sehr viel weiter zurückreichen, womöglich sogar bis in vorchristliche Tage. Denn schon die heidnischen Völker, die in germanischaltsächsischer Zeit unseren westfälischen Landstrich bewohnten, kannten Flurumgänge in den Frühjahrsmonaten. Bei solchen Flurprozessionen, die dem Schutz der wachsenden Feldfrüchte dienen sollten, führten sie auch ihre Götterbilder mit sich. Das Christentum übernahm diese wie auch manche andere heidnische Tradition, um den christlichen Glauben stärker im Volk verwurzeln zu können. Heidnische Symbole wurden dabei freilich durch christliche ersetzt: An die Stelle der Götzenbilder traten bei den Prozessionen nun Heiligen-statuen.

Noch bis zum ausgehenden 19. Jahrhundert fand die Prozession zur 'Johanneseiche' Jahr für Jahr am 24. Juni statt. Danach verlor sich dieser uralte Brauch, neue Gewohnheiten traten an seine Stelle, so dass in der Folgezeit nur noch vereinzelt ältere Frauen oder Männer am Johannistag hierher pilgerten.

Der Bildstock an der 'Johanneseiche' ist wesentlich jüngeren Ursprungs. Er wurde erst um 1 877 errichtet - von wem genau, ist nicht mehr ermittelbar. Den Anlaß jedenfalls bildete angeblich, so die mündliche Überlieferung, der Tod einer Frau, die sich im Wald verirrt haben und an dieser Stelle erfroren aufgefunden worden sein soll. Noch etwas später kam das Kreuz in dem Bildstock hinzu: Schmiedemeister Wilhelm Steinhoff aus Kneblinghausen stiftete es 1925; da es bald stark verwittert war, erneuerte es seine Enkelin (Wilhelmine Nietmann 1964). Nach altem Brauch hat man früher solche - geweihten - Kreuze bei schweren Unfällen im Wald zu den Verletzten geholt: Die Sterbenden sollten dadurch noch den Segen und einen "vollkommenen Ablass" erlangen.

Der Bildstock blieb unbeschädigt, als 1977 sowohl die Reste der 'Johanneseiche' wie auch das nahebei stehende, alte große Holzkreuz einem Windbruch zum Opfer fielen. 1980 wurde ein neues Kreuz aufgestellt, im März 1999 schließlich konnte eine junge Eiche neu gepflanzt werden.



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